Ein erster Schritt, der auf Vertiefung wartet autonom kongress – ein Rückblick

Eindrücke vom autonom kongress. 250 bis 300 Menschen kamen in Hamburg für zweieinhalb Tage zusammen um miteinander zu diskutieren, Positionen auszutauschen, sich zu informieren und einfach mal wieder bekannte Gesichter aus anderen Städten zu treffen. Lange überfällig schien dieses Treffen, wo sich mal Zeit genommen wird, um grundsätzliche Fragen autonomer Politik zu besprechen. Immer wieder wurde der Autonomie Kongress 1995 erwähnt, bei dem sich damals noch 2000 Autonome die Köpfe heiß geredet hatten. 14 Jahre mussten erst vergehen, damit mensch wieder einmal autonom zusammen kam. Kommt autonome Politik ohne eine grundsätzliche Debatte zur Politik aus. Es scheint fast so zu sein. Viele tummeln sich auf der Straße, in ihren Autonomen Zentren und bei großen Mobilisierungen. Die großen Mobilisierungen, wie z.B. 1988 zum IWF in Berlin, die zeitweise fast jährlichen Proteste gegen den Castor, von 1998 bis 2003 die antirassistischen Grenzcamps, 2002-2009 Mittenwald und 2005-2007 die dissent-Mobilisierung gegen den G8 in Heiligendamm, waren immer auch Orte wo überregional zusammen gekommen wurde und auch grundsätzliche Fragen autonomer Politik besprochen wurden. Dennoch, wie das bei der Vorbereitung von konkreten Aktionen so ist, gab es immer Zeitdruck und dieser lässt bekanntlich inhaltliche Debatten hinten runter fallen. So gab es viele Diskussionen, die hochspannend angeschnitten wurden und dann wegen des Organisierungsdrucks jäh abbrachen. Dazu kommt, dass viele Aktive einen Bereich haben, in dem sie verstärkt Politik machen, die sogenannte Teilbereichspolitik. In diesen Teilbereichen wie Antifa, Antira, Antirep., Antisexismus, Antimilitarismus, soziale Kämpfe, Gentrifizierung/Stadtteilarbeit und Anti-Atom/Klimapolitik führen sie dann tiefgehende Debatten und haben ne Menge Ahnung und Wissen. Doch hier läuft dann vieles auch nebeneinander her. Es fehlt also an einem Ort für Grundsatzfragen. Dies kann auch nicht von Publikationen und Debatten in den Medien von Interim bis Indymedia ersetzt werden. Es ist schon was anderes wirklich zusammen zu sitzen, sich face to face zu sehen und sich aufeinander beziehen zu können. Jetzt war er also da, dieser Ort der grundsätzlichen Verständigung. Viele waren erst gar nicht gekommen, da sie keinen Drang verspürten Grundsätzliches zu besprechen, es gab bei Vielen, die zu Hause blieben dieses Bedürfnis gar nicht. Viele die kamen sagten: Ich verspreche mir nicht so viel davon, hab kaum Erwartungen. Andere wiederum waren sehr gespannt oder begierig sich auszutauschen. In dem Zusammenhang wurde auch immer wieder der Großstadt-Stadt-Land Unterschied angemerkt. Viele in der Stadt haben es eben viel einfacher sich zu treffen, zu vernetzen und Orte der Diskussion zu organisieren. Hier wurde auch immer wieder auf die Autonome Vollversammlung in Berlin verwiesen, die sich monatlich seit der G8-Mobilisierung 2007 trifft. Nun gibt es auch seit dem Sommer 2009 eine Autonome FrauenLesbenTrans VV in Berlin. Um ein Ergebnis des autonom kongress vorweg zu nehmen, es gab immer wieder den Willen und die Bekundung Autonome Vollversammlungen in verschiedenen Städten und Regionen zu gründen. Ebenso die Absicht sich überregional in großer Runde in einem halben oder einem Jahr wieder zusammen zu finden. Mensch darf gespannt sein.

Doch nicht nur das Fehlen von Zusammenkünften, auch eine Lücke zwischen den Jungen und den Alten wurde immer wieder bemerkt und scheint mitverantwortlich für einen fehlenden Geschichtsbezug. Debatten, die vor Jahren schon einmal geführt worden, werden nicht weitervermittelt. Die Jungen fangen immer wieder von vorne an. Als ob sich Debatten deswegen kaum weiter entwickeln können, so schien auch das in Hamburg Besprochene in vielen Punkten ganz am Anfang zu stehen. Erschreckend deutlich wurde das in der Sexismus Debatte in dem Themenschwerpunkt ,,Alltagspraxis, interne Machtverhältnisse, Kommunikation“. Viele der Älteren standen verblüfft da, viele feministische Personen gingen raus und wollten sich das nicht antun oder verstanden sich als Beobachter_innen. (Es ist eine politische Praxis von einigen Feministinnen, sich in der gemischten Szene nicht in Sexismus Debatten einzumischen, da die ,,Gemischten“ diese Arbeit schon selbst machen sollen und sich (einige) Feministinnen nicht an der ,,Gemischten“ abarbeiten wollen. Stattdessen kommen sie als Beobachterinnen.) In Sachen Antisexismus scheinen wesentliche Grundlagen zu fehlen, als hätten sich viele noch nie mit der Thematik beschäftigt. Dies gipfelte in einer Debatte, ob Männer auch Sexismus erfahren, mit Beispielen wo Männer schon mal von Frauen (und Feministinnen) ausgelacht oder angemotzt worden sind, bis hin zu Beschreibungen, wo weiße Männer schon mal Rassismus erfahren haben, z.B. in der Bronz in einem schwarzen Club von Schwarzen angemotzt worden. Diese Debatte ist ein seit Jahren bekannter Klassiker, wenn Menschen über Sexismus diskutieren, dann kommen Männer gerne schnell zu der Umkehr, aber ich erfahre auch Sexismus, Frauen sind auch sexistisch. Dieser Umkehr-Effekt kriegt dann ganz viel Raum, das lenkt auch schön davon ab, sich mit alltäglichem Sexismus in den eigenen Strukturen oder bei einem selbst zu beschäftigen. (Mehr dazu siehe: Input Text: Sexistische Gesellschaftsorganisation http://autonomerkongress.blogsport.de) Der Kongress hat gezeigt, dass autonome Politik immer noch nicht mit einem antipatriarchalen Kampf verbunden ist. Das ist ein ganz großes Manko, einmal werden die Autonomen dadurch unattraktiv und haben schon viele Genoss_innen verloren, auch werden sie ihrem eigenen emanzipativen Anspruch und dem Anspruch der Herrschaftsfreiheit nicht gerecht. Ebenso nutzen sie die Möglichkeiten für Veränderung nicht; es heißt: ,,Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“ Doch in Sachen Antisexismus wäre noch viel mehr Veränderung möglich.

Im II. Themenschwerpunkt ging es um „Strukturen, Bündnisse, Vernetzung und Organisierung“. Immer wieder war zu hören, wir wollen offener werden. Also nicht nur Capi ins Gesicht und immer schön cool mit den Freunden rumstehen. Oder die autonome Identität wahren, nach dem Motto wer als erster mit ner Person spricht, die nicht richtig autonom rüberkommt, ist vielleicht selbst gar nicht richtig autonom. Nein, dass soll der Vergangenheit angehören, Freundlichkeit, Offenheit, auf die Menschen zugehen ist gefragt. Schön gesagt, fraglich bleibt trotzdem, ob das in größerem Umfang passiert. Reden mit den Leuten bedeutet auch auf Vorurteile und Spießigkeiten oder gar Rassismen reagieren zu müssen, das ist nicht immer ganz einfach und macht oft keinen Spaß. Wie mit den Leuten diskutieren, wenn mensch vielleicht selbst noch gar keine gefestigte Meinung hat? Wie sich mit den Leuten auseinandersetzen ohne sie gleich ganz vor den Kopf zu stoßen und wo ist die Grenze, wo ist es angesagt konfrontativ zu werden und nicht mehr nett zu sein? Immer wieder wurden Beispiele erwähnt, wo es gut geklappt hat mit Leuten zusammen zu arbeiten, so z.B. bei Anti-AKW-Protesten, wo die Bevölkerung beginnt sich wegen der erhöhten Krebsraten zu wehren. In der Debatte taucht immer wieder eine Linie auf: Mit Leuten zusammenarbeiten Ja, mit Organisationen nicht unbedingt und erst recht nicht mit den Gewerkschaften und der Linkspartei. Hier wurde u.a. das Bild aufgebaut, dass Leute in Organisationen eh ihre feste Meinung hätten und wir die nicht für eine radikale Kritik gewinnen können. Doch ist das nicht zu starr gedacht. In der Mobilisierung zum Antira- und Klimacamp in Hamburg 2008 und zum UN Klima Gipfel 2009 in Kopenhagen arbeiten Autonome mit anderen Leuten und Organisationen zusammen, wie solid, attac, die bund jugend und die grüne jugend und die Leute lassen sich immer wieder von radikaleren Ansätzen, sowohl von den Forderungen, als auch von den Aktionen, inspirieren, mehr als sie es sonst so tun würden. Eine Radikalisierung findet statt. Dieser Effekt ist nicht zu unterschätzen. Bis wohin die Bündnispartner gewählt werden, ist je nach Mobilisierung und Situation unterschiedlich. Bei den Demos zur Finanzkrise im März 2009 ging das Bündnis bis zu den Gewerkschaften und emanzipativeren Kräften in der Linkspartei. Dies viel dem Bündnis an manchen Punkten auf die Füße, z.B. als nicht verhindert werden konnte, dass Lafontain auf der Demo in Frankfurt spricht. Da blieb nur das Eierwerfen. Trotz des ganzen Redens kam die Diskussion an einigen Stellen nicht so richtig auf den Punkt. Die Frage, ist eine spektrenübergreifende Zusammenarbeit gewollt oder nicht, wurde nicht so richtig besprochen. Nach dem G8 waren die Perspektiventage im Januar 2008 in Berlin und im Oktober in Hamburg ein Versuch spektrenübergreifend zusammen zu kommen, sich zu streiten und in Kontakt zu treten. Das Angebot wurde im Januar noch wahrgenommen (500 Menschen), u.a. auch von Leuten vom WBA (Wir bleiben Alle!) Häuserkampf in Berlin, im Oktober war das Interesse allerdings erheblich abgesackt (100 Leute). Doch warum wird sich von der Zusammenarbeit mit anderen Strömungen und Spektren so wenig versprochen, autonome Politik ist wirkmächtiger, als sie manchmal meint. Die Angst von anderen beeinflusst und verwässert zu werden, übersieht, dass wir andere beeinflussen und radikalisieren. Das Thema Bündnisse bekam viel Raum in dem Schwerpunkt und das Feld Organisierung fiel dabei hinten runter. Dies bedauerten einige am Schluss. Immer wieder wurde angemerkt, die Zeiten, in denen sich viele autonome Kleingruppen einfach so bilden, haben sich verändert. Autonome Organisierung ist kein Selbstgänger. Es fehlt immer wieder an Strukturen wie überregionalen Treffen oder Vollversammlungen.

Die Eingangs erwähnte Debattenlücke zeigte sich auch in anderen Fragen autonomer Politik. Zwar wurde am Freitag zur Eröffnung sehr schön dargelegt, wie die Autonomen entstanden sind und was die Basis ihrer Politik ist. (Von dem sexistischen Zwischenfall abgesehen.) Von Selbstorganisierung war die Rede, vom Unabhängigsein von staatlichem- oder Parteien-Einfluss. Von Kollektivität und Konsens wurde gesprochen, dass die Meinungen nicht einer Mehrheit (Mehrheitsgesellschaft) untergeordnet werden. Mit Aktionismus, Politik auf der Strasse und nicht in den Konferenzräumen, mit Freiräumen, gelebter Kollektivität, Autonomie und Herrschaftsfreiheit ging es weiter. Doch wie und ob sich autonome Strategien verändert haben, ob die heutigen Verhältnisse (keine Kohl-Ära, keine Ost-Westblöcke, eine globalisierte Welt, kein Wohlfahrtsstaat BRD mehr, brüchiger Neoliberalismus, sich Umgruppierende globale Machtverhältnisse (wirtschaftliche Schwäche der USA, mächtigere Schwellenländer, finanzstarkes China), sich zuspitzende Militarisierung) nicht anderer Politiken bedürfen. Eine Analyse der Verhältnisse und eine Strategiebestimmung mit der Frage, wo wir künftig den Hebel ansetzen, fand nicht statt. Hier stachen alleinig zwei Vorschläge heraus. Ein ,,Diskussionspapier für einen neuen Aufbruch in die Fröste der Freiheit“ das eine Aufstands-Idee vorschlägt, die sich von den Ereignissen in Frankreich und Griechenland inspirieren ließ (siehe http://autonomerkongress.blogsport.de). Es fordert zum einen dazu auf offener zu werden und stärker auf die Leute zuzugehen, in der Annahme, dass viele so denken wie wir. ,,Die Perspektive lebenslänglicher Lohnarbeit, um dann doch allein zu verrecken und krank zu sein, ist einfach zu furchtbar.“ Es geht darum direkt mit den Leuten zu reden. Das Papier geht sogar noch einen Schritt weiter und meint, wir müssten uns von der subkulturellen Selbstbezogenheit abkehren, dadurch erlägen wir auch nicht weiter der Gefahr der Isolation oder der Avantgard. Stattdessen geht es darum mit den Leuten in der sozialen Konfrontation direkt am Punkt der Auseinandersetzung zusammen zu stehn. Weiter ,,Eins ist klar: Aufstände lassen sich nicht organisieren, Riots lassen sich organisieren.“ ,,… Und doch ermuntern uns die Entwicklungen der letzten Jahre dazu, einen Aufstand in unserem Sinne, eine neue kämpferische Internationale perspektivisch für möglich zu halten.“ Ein anderer orschlag knüpfte an die Zahltage in Köln an und schlug vor unseren eigenen Alltag und unsere Geldbeschaffung wieder stärker zu politisieren, ob beim Job oder im Jobcenter. Diesen grundlegenden Knuten des Kapitalismus nicht alleine zu begegnen, sondern praktische Solidarität zu leben, wie gemeinsam zum Amt zu gehen, andere zu unterstützen und Geld zu teilen. Über die Möglichkeit gelebter Solidarität hinaus, die Orte kapitalistischer Unterjochung auch für Widerstand zu nutzen und den Hebel da anzusetzen, wo es viel Unzufriedenheit von Leuten gibt und Verteilungs- und Eigentumsfragen Punkte einer kämpferischen Auseinandersetzung sein könnten. Beide Vorschläge konnten jedoch nur andiskutiert werden und standen etwas unverbunden im Raum qua fehlender Analyse der Verhältnisse und fehlender Einbettung in die Landschaft autonomer Strategien und Politikansätze. Um dies nachzuholen bedarf es mehr Zeit und die soll sich laut Willenbekundung auch genommen werden u.a. auf einem nächsten Kongress. Doch dazu bedarf es auch Diskussionen im Vorfeld, nicht nur z.B. auf der autonomen VV in Berlin, sondern auch in unseren Gruppen, an den Küchen- und Kneipentischen. Wir dürfen gespannt sein.

Sabine Beck (six hills berlin)

Kein Forum für die Verharmlosung sexualisierter Gewalt

„Aber das vielfältige wispern, Gerede, klagen, hetzen, grummeln über „Sexismus“ verweist nicht nur auf die Attraktivität eines konservativen Anti-68er-Revolten-Diskurses, sondern auch auf Trostlosigkeit und Elend in den sexuell motivierten Beziehungen selbst. Kann gut sein, dass auch Autonome das aneinander misslungen vornehmen was Millionen anderer in dieser Gesellschaft auch so fuhrwerken: richtig schlechten Sex, und das alles in der deprimierendsten Weise. Ach wie leicht ist es doch, genau das in ungenauer Weise zu skandalisieren! Ja,sehr richtig: Gegenseitige Übergriffe, ohne die es keinen Ausdruck für sexuelles Begehren geben kann, misslingen, weil die Verständigung darüber nicht zustande kommt. Alle Klagen über die hier zugefügten tiefen Verletzungen und Schmerzen des Körpers und der Seele sind berechtigt. Fast alle Grundlagen des Vertrauens sind zunächst zerbrochen. Wer jedoch das auf den Begriff des Verbrechens bringt, weiß, dass dem logisch die Strafe zu folgen hat. Die Strafe macht aber auch den schuldig Erklärten immer Angst und so haben sie das natürliche Recht dazu, sich ihr zu entziehen. Wie auch immer der Konflikt auf dem Terrain des Sexismus ausgeht, es entfaltet sich darin zwischen einer Vielzahl von Beteiligten bestimmt so einiges an Sadismus, aber Befreiung und Glück weder für die einen noch die anderen. Tritt dann noch Politik an die Stelle, wo schlichte Rote Hilfe ihren Platz haben könnte, dann ist für die Sache der Befreiung fast alles verloren. So haben also Autonome die besten Gründe dafür – neben schlechten und trostlosen Sex – die gallige Sanktionsmacht des Anti-Sexismus zu fürchten wie der Teufel das Weihwasser.“
Quelle: »Nicht blöd werden! Autonome auf dem Weg ins 22. Jahrhundert«

Der Text »Nicht blöd werden! Autonome auf dem Weg ins 22. Jahrhundert« wurde in den letzten Tagen auf dem Blog für den Kongress veröffentlicht und soll offensichtlich als Input dienen. Wir halten es für grundfalsch und Herrschaftsverhältnisse fortschreibend, wenn die patriarchalen Gewaltverhältnisse zu einem persönlichen Aushandlungsprozess erklärt werden. Wo als Grundvoraussetzung negiert wird das es sich bei sexualisierter Gewalt um ein politisches Verhältnis handelt kann man den Ursprüngen dieser auch nichts entgegensetzen. Sexualisierte Gewalt wird so in orthodoxer Manier zum Nebenwiderspruch erklärt.

Definitionsmacht wird gleichgesetzt mit den bestehenden Herrschaftsverhältnissen und die notwendige Solidarität mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt zur „Strafe“ erklärt, der sich „natürlich“ zurecht entzogen werde. Der Beitrag ist gegen eine antisexistische Praxis gerichtet und verharmlost sexuelle Übergriffe zum Ausdruck der Sexualität. Sexualisierte Gewalt hat aber wenig mit Sex und dafür viel mit Macht zu tun. Im Text wird das alles ausgeblendet um die bestehende antisexistische Praxis anzuschießen und als unreflektierte Spaßbremse darzustellen. Auf dieser entpolitisierten Ebene wollen wir weder auf einem autonom kongress diskutieren noch halten wir es für angebracht, dass die Flora zur Bühne für anti-antisexistische Proklamationen wird.

Die Anerkennung von Definitionsmacht und ein solidarisches Verhältnis zu Betroffenen sexualisierter Gewalt ist für uns ein notwendiger Gerundkonsens der Diskussion. Wir sehen weder den Kongress noch die Flora als „freien“ Sprechort für rassistische, sexistische oder antisemitische Tabubrüche.

Eine sinnvolle Diskussion entsteht für uns aus einem sensiblen und bewußten Umgang miteinander, der auf inhaltlicher Ebene auch gerne kontrovers sein kann. Wir haben allerdings keine Lust zum demütigen Publikum für sexuelle Selbsthilfegesprächskreise von frustrierten Autonomen degradiert zu werden, die damit die subjektiv als Unterdrückung empfundene „Macht“ einer antisexistischen Praxis brechen wollen. Wir schlagen also vor das der Input in dieser Form nicht gehalten wird und der Text von der Internetseite genommen wird.

ein autonomer zusammenhang aus dem floraumfeld

Beiträge

Mittlerweile gibt es unter dem Menüpunkt Materialien die ersten Input-Texte zum Herunterladen und für eure Vorbereitung auf den Kongress. Weitere werden folgen.

Evergreens in den Organisierungsdebatten der autonomen Linken

Fragen aus der Kongressvorbereitung
A. „Was verbindet uns und auf welcher theoretischen sowie praktischen Basis arbeiten wir in unseren Kleingruppen, in unseren Städten, bundesweit oder international zusammen? Gibt es eine gemeinsame autonome Bestimmung?“

B. „Brauchen wir eine Organisierung und wenn ja, welche Form von Organisierung muss das sein, um eine revolutionäre Kraft darzustellen? Was müssen und können wir an unseren gemeinsamen Strukturen ändern, um politisches Gewicht zu erlangen?“

Evergreens in den Organisierungsdebatten der autonomen Linken
Wenig von dem, was wir erzählen, ist neu. Das meiste wurde schon mal geschrieben, zum Teil vor langer Zeit. Dies sei nicht nur gesagt, um uns autonomwissenschaftlich abzusichern, sondern vor allem, weil es darauf verweist, dass es einige Probleme schon sehr lange gibt.
Unsere Idee ist es nicht, genervt von den alten Problemen, uns mit verschränkten Armen in den Ohrensessel zurückzulehnen und auf bessere Zeiten zu warten. Wir halten unsere derzeitigen Organisierungsformen zwar für die beste zurzeit machbare – sonst wären wir schon längst nicht mehr dabei – glauben aber fest daran, dass wir einiges, mit einiger Anstrengung, verändern können. Das fängt eben mit einer selbstkritischen Sicht auf die Dinge an. Gegenseitiges aufmunterndes Schulterklopfen brauchen wir wieder an anderer Stelle.
Wir schreiben diesen Text aus unserem Berliner Blickwinkel und sind gespannt auf Perspektiven und Beispiele aus anderen Städten und Regionen.

Versuch einer kurzen Bestandsaufnahme
– unverbindlich, unzuverlässig, große Fluktuation
– wenige Gruppen und Strukturen, nur punktuelle Zusammenarbeit
– keine kontinuierliche, lang anhaltende politische Arbeit und Zusammenarbeit an gemeinsamen Zielen
– kurzatmige Kampagnenpolitik, die nur reagiert
– große Anonymität und Abschottung
– schlechte Vermittlung von Zielen und Inhalten
– starke Abgrenzung

1. Fluktuation, Vereinzelung, Unverbindlichkeit
Autonome Organisierung setzt darauf, dass jedes Individuum auf Grundlage der eigenen Erfahrungen mit dem ihm eigenen Mitteln für seine Befreiung kämpft, sich dazu in kollektiven Zusammenhängen (selbst-)organisiert und sich diese über praktische Initiativen und Kämpfe zusammenfinden. Aber anscheinend klappt das nicht, oder? Warum stehen wir sonst immer wieder vor dem gleichen Problem? Die autonomen Linke ist durch eine große Fluktuation und Vereinzelung geprägt. Neben wenigen, die sich in festen Strukturen organisieren, gibt es viele Unorganisierte. In der politischen (Zusammen-)Arbeit führt dies häufig zu fehlender Verbindlichkeit und Verlässlichkeit.

Gezeigt hat sich dies in den letzten Jahren u.a. in der DISSENT!-Vorbereitung des G8-Gipfels 2007 in Heiligendamm. Das offene Konzept, das sowohl Gruppen, regionale Vorbereitungskreise und interessierte Einzelpersonen zur Beteiligung einlud, führte zu ständig wechselnden Zusammensetzungen. Viele kamen zu den bundesweiten Treffen, um sich zu informieren, und nicht, um sich gemeinsam zu organisieren; nur einige wenige Gruppen und Einzelpersonen arbeiteten kontinuierlich und verbindlich zusammen. Getragen wurde die Vorbereitung schließlich hauptsächlich von den zuletzt relativ autark arbeitenden Arbeitsgruppen, die sich (auch) unabhängig von den bundesweiten Treffen organisierten.

Warum gibt es nicht mehr autonome Gruppen und Strukturen? Welche Möglichkeiten gibt es, die Vereinzelung und Unverbindlichkeit aufzuheben? Führt jeder Versuch, eine stärkere Verbindlichkeit und Organisierung zu schaffen, zwangsläufig weg vom Prinzip der autonomen Selbstorganisierung hin zur Kaderorganisation?

These 1:
Das autonome Prinzip „Organisiere dich selbst“ ist überholt. Die Leute treffen sich nicht (mehr) einfach so und organisieren sich. Wir müssen so wie Block G8 anfangen, den Leuten Angebote zu machen, sich zu organisieren – nur radikaler eben. Wir sollten z.B. diskutieren, wie eine solche Organisierung zum 1.Mai aussehen könnte.

2. Kontinuität, Zusammenarbeit, autonomes „Agendasetting“
Autonome Politik ist häufig von kurzatmiger Kampagnenpolitik geprägt, die auf bestimmte Ereignisse abzielt, anstatt langfristige Perspektiven aufzumachen. Generell fehlt eine kontinuierliche und langanhaltende politische Arbeit und Zusammenarbeit.
Es lassen sich zwar durchaus einige gemeinsame Widerstandslinien in den letzten Jahren festmachen, z.B. in den Bereichen Antira, Antifa, Antiatom oder (neuerdings) auch Antimilitarismus, und in diesen gibt es auch kontinuierlich arbeitende Gruppen und Vernetzungen. Es gibt Gruppen, die sich auf ein Thema spezialisiert haben und solche, die durch eine AG-Struktur versuchen eine kontinuierliche, thematische Arbeit sicherzustellen. In den einzelnen Teilbereichen gibt es natürlich auch Bestrebungen sich in gemeinsamen Kampagnen zu vernetzen. Und es gibt sogar Versuche jenseits vom „Anti“ Themen positiv neu zu besetzen, wie z.B. im Bereich Transgender. Und dennoch, im größeren Rahmen gesehen, lässt sich kein roter Faden erkennen. Letztlich drehen sich die einzelnen Gruppen mit all ihren Spezialthemen doch immer wieder im Kreis.

Auch die Zusammenarbeit der wenigen politischen Gruppen und Strukturen funktioniert nur punktuell und fast marktförmig: Irgendjemand denkt sich ein Projekt aus, wirft es auf den Markt und hofft, dass andere Bock haben, mitzumachen. Die besseren Unternehmen Gruppen haben vorher etwas Marktforschung betrieben, indem sie Scouts losgeschickt haben, die schon bei anderen Gruppen vorgefühlt haben. In der Ausgestaltung der Aktionen (oder Kampagnen etc.) werden dann Aktionsangebote für verschiedene Zielgruppen gemacht, damit auch möglichst viele zur eigenen Aktion kommen.
Was wollen wir eigentlich gemeinsam erreichen? Und auf welcher Grundlage wollen wir zusammen darauf hinarbeiten? Was verbindet uns als Autonome? Vielleicht ist es ja auch nur die Militanzklammer, die Anziehungskraft von Klandestinität und Verbotenem, die uns zusammenhält. Oder die Subkultur als eine andere Klammer? Beides scheint häufig stärker zu wirken, als das gemeinsame Ziel: der Umsturz der bestehenden Verhältnisse und die Revolution.

Zwischenthese: Militanz und Randale waren schon immer die Gründe, warum sich Leute zu den Autonomen hingezogen gefühlt haben. Um als Autonome mehr und wahrnehmbarer zu werden, brauchen wir mehr militante Aktionen, mehr Randalegelegenheiten – der Rest kommt dann schon von selber.

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, was uns von Strukturen wie z.B. der Interventionistischen Linken (IL) trennt? Warum machen wir da nicht mit? Ist es weil sie sich vom (nicht funktionierenden) autonomen Prinzip der Selbstorganisierung abgewandt haben? Weil sie versuchen in die Mitte der bürgerlichen Gesellschaft hineinzuwirken und sich dabei nicht vor Bündnissen mit Gewerkschaften und Parteien scheuen – während wir uns mit Leuten am Rande der Gesellschaft, mit marginalisierten und wütenden Menschen, die den Umsturz wollen, auf der Straße verbünden und organisieren wollen? Manchmal spielt bei uns vielleicht auch ein Misstrauen gegen sie – die „Anderen“ mit: Wollen die wirklich die Revolution?
- Aber müssen wir uns da nicht erst mal fragen: Wollen wir wirklich die Revolution?

Was haben wir, was die nicht haben? Was finden wir charmant und bedeutend an autonomer Politik?
Das gemeinsame Leben radikaler Inhalte – die lebenspraktische Organisierung, mit Freiraumkämpfen in jedem Sinn ist für uns ein wichtiger Pfeiler autonomer Politik. Dies bedeutet für uns Alltag und Politik nicht von einander zu trennen und keine Feierabendpolitik zu betreiben. Mehrere von uns versuchen, der gesellschaftlichen Vereinzelung ein gemeinsames Leben und teils auch Arbeiten entgegenzusetzen. Trotzdem klappt dies nicht oft genug, und auch hier gälte es, einen Ausweg aus der Vereinzelung zu finden.
Wenn wir uns unseren Alltag auf dieser Folie anschauen, kommen wir nicht umhin einzugestehen: Auch bei Menschen, die sich als autonom verstehen, sieht das Leben nicht so aus, wie es sollte. Also doch nicht anders als IL & co.? Der Unterschied besteht wohl darin, etwas anderes trotzdem zu wollen und trotz aller Schwierigkeiten anzustreben oder anders gesagt: wir haben wenigstens schlechte Laune dabei ϑ. Darum sollten wir als Autonome uns gemeinsam mehr über unsere Ziele auseinandersetzen, über deren Lebbarkeit und Möglichkeiten, auf ihrer Grundlage zu agieren. Weil wir das zu sehr vernachlässigen, ist auch schon viel Grundlagenkonsens und Wissen verloren gegangen…

These 2:
Für eine kontinuierliche und langanhaltende politische Zusammenarbeit brauchen wir ein gemeinsames Selbstverständnis aus dem wir unsere Strategien entwickeln. Und wir müssen uns selbst und unsere Ziele ernster nehmen – da reicht es nicht 2 Stunden am Donnerstag Abend für die Revo einzuplanen!

3. Abschottung, Anonymität, Abwesenheit
Geprägt durch die Angst vor Spitzeln und staatlicher Repression gibt es in der autonomen Szene eine starke Abschottung. Es gibt nur wenige offene Gruppen und Strukturen, in die Interessierte einfach einsteigen können (zwei der wenigen Gegenbeispiele sind das AnitAtomPlenum oder das Anti-Kriegs-Café in Berlin). Mensch muss schon einige Kontakte und Erfahrungen vorweisen können, um in den „konspirativen“, vertrauenswürdigen Kreis der Familie aufgenommen zu werden.
Ist man erstmal aufgenommen in den Club, ist es dann sehr herzlich – aber das ganze hat doch was sehr Elitäres, was wir doch eigentlich ablehnen. Und nicht zuletzt werden Abschottung und konspiratives Verhalten häufig als Kult abgefeiert anstatt sie als zwingendes Übel zu begreifen und Auswege zu suchen.
Andererseits finden wir in der Aktion (aber nicht nur da) gerade das Spiel zwischen „legal“ und „illegal“ wichtig, um selbstbestimmt handeln zu können. Hierfür halten wir die beliebte autonome Kleingruppe ohne organisierten Großzusammenhang weiterhin für die praktikabelste Lösung.
Positive Ansätze um mehr Offenheit und Erreichbarkeit zu schaffen waren z.B. die Grenzcamps oder aktuell die Autonome VV in Berlin, wenn diese natürlich auch ihre Schwächen hat. Aber nicht alle Gruppen und Strukturen einer Bewegung müssen alles können, oder? Wichtig ist doch, dass eine Bewegung insgesamt einerseits ansprechbar und erreichbar und anderseits handlungsfähig ist. Nicht jede einzelne Gruppe muss beides können.

Diese Abschottung und Wahrung einer vermeintlichen Anonymität wirkt sich auf unsere Kommunikation untereinander sowie in die Gesellschaft hinein aus. So lähmt die Angst vor staatlicher Repression einerseits gemeinsame Diskussionen, wenn z.B. auf einer Vollversammlung über das Vorgehen bei einer Demo diskutiert wird: Nur wenige stehen dort auf und vertreten öffentlich ein militantes Vorgehen.
Neben der Ansprechbarkeit für eigene Leute fehlt eine Vermittlung von autonomen Inhalten und Zielen an die Presse und Öffentlichkeit. Das mediale und gesellschaftliche Bild der Autonomen wird vom „schwarzen Block“ bestimmt, was wir erreichen wollen, wird nicht vermittelt.
Aus diesen Problemen heraus haben Gruppen wie Avanti, ALB und FelS ihre Gruppen als Gegenkonzepte entwickelt. Mit z.B. leichteren Einstiegsmöglichkeiten in eine „legale“ Gruppe, mit PressesprecherInnen etc. versuchen sie offener und ansprechbarer zu sein.
Ein gutes Beispiel für das Scheitern beider Konzepte bietet die Pressearbeit zu den Auseinandersetzungen am 2. Juni 2007 in Rostock. Da war auf der einen Seite ein Pressesprecher der viel Unsinn gesagt hat, auf der anderen Seite leider gar niemand… Autonome Positionen, die sagten: „Ja, das war richtig dieses Zeichen zu setzen. Wir haben an diesem Tag ein bisschen an der herrschenden Ordnung gerüttelt und tun es gern wieder!“, haben danach in der Presse gefehlt.

These3:
Wir müssen aus der Anonymität rauskommen, für andere ansprechbar sein und unsere Ziele und Inhalte vermitteln.
Oder brauchen wir nicht eigentlich eher mehr gut organisierte und abgeschottete Aktionsgruppen, die z.B. auf der Straße was reißen?!

4. Abgrenzungen
Autonome grenzen sich gerne ab: gegen Parteien, gegen Gewerkschaften, gegen Reformisten, gegen Postautonome, gegen Hippies… Dabei spielen bei der Abgrenzung häufig inhaltliche Fragen eine untergeordnete Rolle, im Vordergrund stehen oft Vorbehalte, nicht selten auch persönlicher Art. Bündnisse werden häufig abgelehnt oder als zwingende Last angesehen, anstatt in Diskussionen nach inhaltlichen Gemeinsamkeiten und Zielen zu suchen. Spätestens bei der „Gewaltfrage“ ist eine Zusammenarbeit dann häufig zum Scheitern verurteilt. Nur selten ist es möglich sich hierbei auf eine gegenseitige Toleranz von Aktionsformen zu verständigen.
Es gibt nur wenige Gegenbeispiele in denen dies versucht oder gar erreicht wurde. Als Paradebeispiel gilt seit Jahren der Widerstand im Wendland. Beim Bombodrom gab es ähnliche Versuche, an denen sich jedoch nur wenige beteiligten. Auch einigen guten Kampagnen (z.B. gegen Gentrification) gelingt es, an sozialdemokratisch-liberale Positionen anzudocken. Dagegen sind wir mit unseren radikaleren inhaltlichen Positionen wie z.B. Antikapitalismus oder Antistaatlichkeit im gesellschaftlichen Diskurs völlig irrelevant. Sicher auch, weil es (siehe These 2) ein gemeinsam formuliertes Projekt nicht mehr gibt.
Selten nutzen wir Bündnisprozesse um andere von unseren Inhalten und Aktionsformen zu überzeugen. Warum, wenn wir doch überzeugt sind, dass wir die richtigen Argumente haben?

These 4:
Wir sollten selbstbewusster autonome Inhalte und Ziele in Bündnissen vertreten und offener in Bündnisprozesse einsteigen.
Oder: Natürlich brauchen wir Bündnisse. Zum Beispiel die IL ist eine prima Bündnispartnerin. Die sollen für uns mit Gewerkschaften, NGOs usw. kungeln, die haben da wenigstens Lust drauf.

Anonyme Autonome Berlin
(ansprechbar)

Konferenz in Bielefeld 30.-31.10.

Internationale Konferenz am 30. und 31. Oktober in der Universität Bielefeld
Mit der Frage der „Legitimation politischer Gewalt“ befasst sich eine Tagung am 30.
und 31. Oktober im Internationalen Begegnungszentrum der Universität Bielefeld (IBZ).
Sie wird um 14.30 Uhr durch den Vortrag des amerikanischen Politikwissenschaftlers
Professor David Apter, Yale University, eröffnet.

Flyertext: „Seit den 1960er Jahren gibt es weltweit wieder eine deutliche Zunahme von politisch
motivierter Gewalt. Interessanterweise kommt Gewalt dabei selten ohne
Rechtfertigungen aus, oft wird sie – mit wechselnden Begründungen – legitimiert. Ein
Beispiel, das auch auf der Tagung diskutiert wird, sind die Demonstrationen beim
G8-Gipfel in Heiligendamm im Jahr 2007. Auf der internationalen Konferenz stehen
deshalb zwei Fragenkomplexe im Mittelpunkt. Erstens: Kann politische Gewalt überhaupt
gerechtfertigt sein und gerechtfertigt werden? Unter welchen Umständen ist politische
Gewalt gegebenenfalls gerechtfertigt? Gibt es legitime Formen? Zweitens: Wie sahen
und sehen Legitimierungen von Gewalt aus? Welche Legitimationsmuster für Gewalt sind
gebräuchlich? Gibt es unterschiedliche Gewaltformen, bei denen bestimmte
Legitimationsmuster besser verfangen als andere?

Am Beispiel grundlegender Deutungen und Definitionen sollen die Problematik solcher
Legitimierungen aufgezeigt und die bedeutsamen Unterschiede von grundlegender
Legitimität, brüchiger Legitimierung und nachträglicher Rechtfertigung durch Einzelne
oder Gruppen herausgearbeitet werden. An konkreten Beispielen werden
Legitimationsversuche untersucht und nach den Umständen und Begründungen gefragt,
unter denen und angesichts derer Gewalt als legitim oder illegitim erscheint.

Die Tagung wird vom Sonderforschungsbereich „Das Politische als Kommunikationsraum in
der Geschichte“ und vom Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung
(IKG) der Universität Bielefeld organisiert.

Weitere Informationen und Anmeldungen bis zum 10. Oktober 2009 bei den Veranstaltern“

Dr. Freia Anders, Universität Bielefeld
SFB 584
Tel: 0521 / 106-3228
E-Mail: fanders@uni-bielefeld.de
Dr. Peter Imbusch, Universität Bielefeld
IKG
Tel: 0521 / 106-3091
E-Mail: peter.imbusch@uni-bielefeld.de
http://idw-online.de/pages/de/news336309

SOLI-RAVE

Autonomer Kongress 09 – 20 JAHRE ROTE FLORA

am 26.09.2009 – in der Roten Flora – Achidi John Platz 1

Kongressstruktur

Selbstverständnis, Stand und Perspektiven der autonomen Bewegung im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang

Du/ihr seid aufgefordert, den Kongress mitzugestalten. In den einzelnen Themenschwerpunkten werden verschiedene 5 bis 10 minütige Impulse in Form von prägnanten Referaten, einfühlsamen Theaterstücken, einschlägigen Praxisbeispielen oder provokanten Thesen die Diskussionen anregen.
Sowohl Gruppen als auch Einzelpersonen können einen Input vorbereiten, der sich am Schwerpunkt oder einem Thema innerhalb des Schwerpunktes orientiert sowie den o.g. Leitsatz des Kongresses berücksichtigt.

Themenschwerpunkt I: Der Begriff Autonomie / das Label autonom
Aus welchen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und politischen Handlungsnotwendigkeiten hat sich der Begriff Autonomie entwickelt? Ist er zu einem Label oder zu einem Mythos geworden, der lediglich noch auf äußere Erscheinungsbilder (Randale, Klamotten, …) beruht?
Sind die Autonomen zu einer selbstbezogenen und selbstgenügsamen Sekte geworden, die von Außen nicht mehr greifbar und kritisierbar ist und sich deshalb der gesellschaftlichen Auseinandersetzung entzieht und somit auch in diese nicht mehr verändernd eingreifen kann. Ist der Begriff „Autonomie“ für die heutige politische/kulturelle Situation noch hilfreich? Wie setzten verschiedene politische Schwerpunkte (wie anti-Ra, anti-Fa, anti-Sexismus, anti-AKW, …) diesen Begriff in ihren praktischen Kämpfen um?
„Autonomie“ als Kommunikations- und Kampfbegriff, Autonomie als gesellschaftliche Utopie. Selbstbestimmung und Kollektivität als dialektische Einheit. Denn Selbstbestimmung kann nur als Kollektiv statt finden und Kollektivität nur mit selbstbestimmten Menschen.
Freitagabend, 20:00 h

Themenschwerpunkt II: Struktur, Bündnisse, Vernetzung und Organisierung
Was verbindet uns und auf welcher theoretischen sowie praktischen Basis arbeiten wir in unseren Kleingruppen, in unseren Städten, bundesweit oder international zusammen? Gibt es eine gemeinsame autonome Bestimmung?
Unter welchen Kriterien gehen wir Bündnisse ein und um welchen Preis?
Brauchen wir eine Organisierung und wenn ja, welche Form von Organisierung muss das sein, um eine revolutionäre Kraft darzustellen? Was müssen und können wir an unseren gemeinsamen Strukturen ändern, um politisches Gewicht zu erlangen?
Samstag, 10-13 h

Themenschwerpunkt III: Alltagspraxis, interne Machtverhältnisse, Kommunikation
Themensschwerpunkt geht um unseren Umgang untereinander, unter bezug auf Machtverhältnisse und unterschiedlichste Unterdrückungsverhältnisse. Dabei deckt er auch die verschiedenen bekannten –ismen ab.
Außerdem fragen wir uns, wie unsere eigene Kommunikation untereinander aussieht und wie diese geprägt ist. Ob durch vorgegebene Rollen und deren Zuschreibungen oder durch einen offenen Umgang untereinander, der Annäherung erlaubt und diese auch wünscht.
Schließlich soll es auch drum gehen, wie eine selbstbezogene Abtrennung der eigenen Lebensverhältnisse und Alltagsauseinandersetzungen vom radikalen Kollektiven handeln überwunden werden kann.
Samstag, 14-17 h

Themenschwerpunkt IV: Aktionsformen, Widerstand, Medien
Aktionsformen sollen unsere Inhalte und unseren Widerstand nach außen vermitteln. Entspricht das der Wirklichkeit? Wie sollten wir Militanz verantwortungsvoll einsetzen und perspektivisch ausbauen? Welche Bilanz können / sollen wir aus den gemachten Erfahrungen ziehen? Wie wollen wir mit der medialen Wiedergabe und den Reaktionen auf unsere Aktionsformen umgehen? Welche Rolle(n) spielen unsere eigenen Medien (nicht nur das Internet)? Wie, wo und warum könnten zufünftige Aktionsformen neu gestaltet oder weiter entwickelt werden?
Samstag, 18-21

Zusammentragung, Auswertung, Ausblick
Sonntag, 10 h

Mitmachen

Die Inputs werden soweit möglich, vorher im Internetblog veröffentlicht und auch schriftlich auf dem Kongress ausliegen. Bitte schickt uns eure Inputs, damit wir die Schwerpunkte besser koordinieren können.
E-Mail für die Anmeldung von Inputs: autonomer-input@nadir.org
Postadresse: Autonom-Kongress-Vorbereitung, Schwarzmarkt, Kleiner Schäferkamp 46, 20357 Hamburg

Ergebnisprotokoll v. Kong.-Vorber.treff 9.08

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# 12 Leute sind gekommen
# Die Mehrheit der Anwesenden will an dem Kongress sowie den Oktobertermin festhalten
# Wir haben uns auf die folgende Struktur geeinigt, wobei die Uhrzeiten noch nicht endgültig gesetzt sind. Und im Grunde auch die Reihenfolge der Themenstränge am Samstag noch variiert werden kann.

Freitag:
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Ab 18 oder 18:30 h startet der Kongress mit dem Themenstrang: der Begriff Autonomie / das Label autonom.
Es soll Impulsreferate geben, die im Groß-Plenum gehalten werden. Wie viele hängt davon ab, wie viele Leute und Gruppen zu dem Thema etwas ausarbeiten möchten; eine Zusage für solch einen Input gibt es bereits.
Anschließend können sich die Teilnehmer_innen entscheiden, ob sie im großen Plenum diskutieren wollen oder in kleineren Gruppen, die sich dann in anderen Räumen treffen können. Nach einer gemeinsam vereinbarten Zeit treffen sich alle wieder im Großplenum und es wird soweit es möglich ist, zusammengetragen, welche Punkte zur Sprache kamen.

Samstag:
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Um 10 h beginnt der zweite Themenstrang „Struktur, Bündnisse, Kampagnen, Organisierung“ mit einigen Impulsreferaten zum Themenstrang oder zu den einzelnen Unterpunkten. Auch hier ist die Anzahl davon abhängig, wie viele Gruppen/Leute was und in welcher Form einbringen möchten. In der VV meldete bereits eine Gruppe Interesse an, zum Unterpunkt „Organisierung“ etwas auszuarbeiten. Nach den Inputs wird sich in kleiner Gruppen aufgeteilt und diskutiert. Die Ergebnisse/Erkenntnisse/Differenzen der Diskussion werden kurz vor Abschluss des ersten Blocks wieder zusammengetragen (oder wann??) Abschluss ca 13 h.

Nach einer Mittagspause beginnt der Themenstrang „Aktionsformen, Widerstand und Widerstandsformen, Medien“. Zeitlicher Vorschlag: 14 bis 17 h. (Ablauf wie oben beschrieben.)

Es folgt eine Abendbrot-Pause, (etwas länger ? vielleicht bis 19 h?). Anschließend startet der letzte Block mit den Inputs zum Themenstrang „Alltagspraxis, Antisexismus, Kommunikation“. (Ablauf wie oben beschrieben.)

Sonntag:
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Am Vormittag wird alles zusammengetragen, wird überlegt, ob und wie es weitergehen kann, wird Feedback ausgetauscht u.s.w.

# Alle Themenstränge werden beim nächsten Vorbereitungstreffen am So. 16.08. um 18:00 in der Flora mit einigen Sätzen genauer umschrieben, damit sich interessierte Referent_innen mehr darunter vorstellen können. Jeder macht sich im Vorfeld Gedanken.
# Die Inputreferate werden soweit möglich, vorher im Internetblog veröffentlicht und auch schriftlich auf dem Kongress ausliegen.
# Vor- und/oder Nachbereitungsreader sind wünschenswert.

zusammenfassung vv vom 01.08.

auf der vv am 01.08. waren ca. 30 personen aus verschiedenen gruppen (antira; akw, gefangenenhilfe;…) und orten (Kiel bis Hamburg!) anwesend. die vv hatte den zweck auf grundlage der vorschläge der vorbereitungsgruppe über die struktur und die inhalte des kongresses zu diskutieren.

am anfang der vv wurde noch einmal ganz deutlich von der Veranstaltungsgruppe (VG) formuliert, dass ihrer ansicht nach der kongress im oktober nur dann statt finden sollte, wenn ein interesse besteht über autonome situation(en), politik(en) und struktur(en) zu sprechen. dieses interesse würde ihrer meinung nach durch die beteiligung, z.b. auch an einer vv, der interessierten deutlich. d.h., keine beteiligung, kein kongress. bzw. kein kongress konsum. alle anwesenden stimmten prinzipiell hiermit überein.

alle beteiligten waren sich einig, dass die diskussionen auf dem kongress nicht nur den status quo austauschen, sondern perspektivisch und zukunftsorientiert sein sollen.

die diskussion über den strukturellen rahmen des kongresses hat gezeigt, dass die meisten befürworten, wenn es am fr. (ankunftstag) eine große vv gibt, auf der das thema „autonomiebegriff, – label“ diskutiert wird. hier wurde auch die gefahr angesprochen, dass bei einer großen zahl von beteiligten erfahrungsgemäß ein aufeinander beziehen von beitragsinhalten oft nicht statt findet und konstruktive diskussionen oft nicht möglich sind.

der sa. soll in der form organisiert sein, dass personen aus unterschiedlichen politischen zusammenhängen gemeinsam in drei themenbereichen diskutieren: 1. Struktur, Bündnisse, Kampagnen, Organisierung. 2. in bezug zur „restgesellschaft“: Aktionsformen, Widerstand, Medien. 3. In bezug auf sich selbst: Alltagspraxis, Antisexismus, Kommunikation. der sinn dieser form liegt darin, sich übergreifend auszutauschen und positionen zu entwickeln, anstatt dass einzelne politische zusammenhänge wie so oft unter sich bleiben. außerdem wurde fest gehalten, dass personengruppen, die den wunsch haben, über einzelne politische felder (antifa; antira;…) gesondert zu diskutieren, sich den raum hierfür am sonntagnachmittag nehmen könnten.
die inhaltliche eingrenzung oder stärkere konkretisierung / fokussierung / fragestellung der einzelnen stränge soll noch statt finden und alle interessierten sind dazu aufgefordert, sich im vorfeld gedanken zu machen.

die frage von input(-referaten) wurde nicht abschließend geklärt. alle interessierten sind aufgefordert sich darüber gedanken zu machen und im falle eines falles zu überlegen, ob sie selbst einen input geben können / wollen. diese inputs sollen eines der drei themenstränge aufgreifen und als (fall-)beispiel(e) dienen, so dass anhand dessen ein weiterführender austausch und eine diskussion gestartet werden kann. dies soll in kleineren gruppen statt finden.

der so. soll der zusammenführung von „ergebnissen“ dienen.

Kurze Anmerkung aus dem Vorbereitungskreis

Am 18.7.09 wurde auf Indymedia ein Beitrag veröffentlicht in dem das Einladungspapier zum überregionalen Treffen am 1. August vorgestellt wurde. Dieses Papier wurde über verschiedene Email-Listen verbreitet und öffentlich verteilt. In dem Posting auf Indymedia wurde in diesem Rahmen u.a. auf eine Konzertveranstaltung im Onkel Otto hingewiesen. Der Vorbereitungskreis legt Wert auf die Feststellung, dass es keine Zusammenarbeit mit diesem Projekt gab und die Veranstaltung nicht beworben wurde. Wir freuen uns natürlich wenn Leute die Idee eines Kongresses gut finden und dies weiterverbreiten. Wir legen aber auch Wert darauf nicht als Werbeträgerformat für umstrittene Veranstaltungen mißbraucht zu werden, die zudem an Orten stattfinden die einen antisexistischen Konsens verlassen.



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